Raumgleiter für Hetzer.

Nur zu gerne sprechen wir, meist lachend, über Fahrleistungen, die mit jenen einer Wanderdüne vergleichbar sind. Wer für viele Wochen auf Urlaub fährt, findet bestimmt die Zeit diese Langsamkeit zu genießen, alle anderen tun sich da schon deutlich schwerer.

Die schmalen Lichter prägen die Frontansicht des neuen Sprinter.

Wer sich für einen trendigen Kastenwagen entscheidet, der will im Alltag Meter machen und auch vollbeladen nicht hinter den 40 Tonnern verhungern. Am liebsten mag man leichten Fußes fröhlich beschwingt Steigungen erklimmen und dabei vielleicht auch noch so etwas wie Fahrspaß genießen. Unmöglich sagen Sie? Nein, ist es nicht. Speziell die neuen Kastenwagen- Modelle der großen Hersteller verraten uns, was leistungstechnisch so möglich ist. 

Die Kombination aus Hochdach und aufgesetzter Klimaanlage macht diesen Mercedes ziemlich hoch.

Ein Hersteller traut sich sogar ein wirklich exklusives Statement abzugeben. Er bietet ab Werk einen 190 PS starken Sechszylinder an. Am Papier macht das kaum einen Unterschied zu den aufgeblasenen Vierzylindermodellen, in der Praxis ist der Unterschied umso deutlicher spürbarer. Das beginnt beim deutlich besseren Klang, setzt sich in einer deutlich smootheren Kraftentfaltung fort und endet in einer fast schon sportlichen Fahrdynamik, auch wenn hier die Siebengang-Automatik und die Fahrwerksabstimmung ebenfalls ihr Schäuflein beitragen. Kurz gesagt, hier gelingt es das Fahrfeeling eines Oberklassekombis in einem Kastenwagen zu genießen. Sich nur auf den Motor zu konzentrieren ist beim neuen Sprinter aber dann doch zu wenig, zumal dieser schon im Vorgänger zum Einsatz kam. 

Langstreckentaugliches Cockpit mit modernster Ausstattung.

Wer glaubt, dass alle Fahrerarbeitsplätze annähernd gleich sind, der irrt gewaltig. Mercedes-Benz hat hier beim Neuen nochmals nachgelegt. Das Ergebnis ist in erster Linie ziemlich homogen. Man steigt hinauf, positioniert den Sitz (im Falle des Testwagens elektrisch was nicht nötig ist) und fühlt sich schon daheim. Das kann aktuell kein anderer Hersteller besser, was nicht heißen soll, dass es nicht andere Marken gibt, die den Benz bei Haptik, Sitzkomfort oder Materialauswahl übertreffen könnten. Hinsichtlich des Gesamtkonzepts, bleiben sie aber dennoch einen kleinen Schritt zurück.

Beeindruckende Kartendarstellung und guter Sound.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist im neuen Sprinter das Multimedia System, das optisch den Vergleich mit den großen Kassettenrekordern, die wir in den späten 80ern auf der Schulter getragen haben, aushalten muss. Im Gegenzug zur polarisierenden Optik gibt es weder an der Funktion noch an der beeindruckenden Grafik etwas auszusetzen.

Raum nach allen Seiten – das gilt auch für die Passagiere in den Reihen 2-4.

Gut auch der Komfort für den Beifahrer und die bis zu sieben weiteren Mitfahrer, in den Reihen zwei bis vier. Alle hinteren Sitzplätze lassen sich im Tourer entfernen und erlauben so eine Nutzung als Laderaumriese. Auch die Installation eines Bettes im Heck ist natürlich denkbar. Für Familien die mit der Kombination aus Großraumkombi und Wohnwagen (der darf bis zu zwei Tonnen schwer sein) auf Reisen gehen und dabei zumindest in der Nacht ihren Frieden haben wollen, bestimmt kein Nachteil.

Bei so vielen Lenkradtasten macht es durchaus Sinn auf Sprachbefehle auszuweichen.

Was der neue Sprinter auch beherrscht, ist die mündliche Kommunikation. Viele Tastendrücke können dadurch völlig entfallen was wiederum die Verkehrssicherheit hebt. Ich selbst muss mich noch daran gewöhnen mit einem Auto zu sprechen, zumindest mit einem von dem ich auch Antworten erwarten kann. Keinerlei Gewöhnung bedarf der Seitenwindassistent, der im windigen Osten unseres Landes mitunter täglich zeigen kann was in ihm steckt. 

Start einer langen Testfahrt in den frühen Morgenstunden.

Nach zehn teils langen Tagen im Testbetrieb, hinterlässt der neue Sprinter einen rundum ausgezeichneten Eindruck. Egal ob hektischer Cityverkehr, Kurvenhatz im Waldviertel oder Langstrecke, dieses Auto ist überall daheim, zumindest wenn sich die dank Dachklimaanlage enorme Höhe ausgeht. Preislich genauso wie bei Komfort und Sicherheitsausstattung in der Oberklasse daheim fehlt hier eigentlich nur noch der optional lieferbare Allradantrieb um die vielen Vorteile auch abseits des Asphalts genießen zu können. Damit hätte der Testwagen inklusive aller Steuern und der beachtlichen Normverbrauchsabgabe, gemeinsam knapp 30.000,- Euro) dann aber auch die 100.000,- Euro Hürde genommen (aktuell 93.000,- Euro) und das muss man sich auch leisten können bzw. wollen. 

INFO:http://www.mercedes-benz.at

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