Muss es wirklich Allrad sein?

Volkswagen liefert mit dem neuen Crafter eine ziemlich perfekte Basis um Front- und Allradantrieb direkt zu vergleichen. Optisch sind die Modelle nicht zu unterscheiden.

Eine ziemlich schwierige Frage für jemand der sich mehr als zwei Jahrzehnte intensiv mit vier und mehr angetriebenen Rädern beschäftigt hat.

Ein Pick Up Modell ohne Allradantrieb ist immer ein Kompromiss, schlimmer noch ein Kompromiss den man im Vorfeld einer Reise eingeht und sich somit den Spielraum für all die während einer Reise notwendigen Kompromisse unnötig reduziert. Wer sich also für einen der feschen Laster als Reiseauto entscheidet sollte unbedingt eine 4×4 Version wählen. Die einzige verständliche Ausnahme davon stellen aus meiner Sicht jene Pick Up Nutzer dar, die große schwere Motorräder hinten drauf packen. In diesem Fall zählt jede Reduktion der Steigung bei der Beladung doppelt.

Die hier zu sehenden Frontantriebsversion des Crafter 35 in L3H3 Ausführung ist ziemlich exakt 4.000,- Euro billiger als die ansonsten idente 4motion Variante.

Ganz anders die Situation wenn es um Kastenwagen, Teil – oder gar Vollintegrierte Reisemobile geht. Wer im Winter zumeist daheimbleibt oder langfristig seine Zelte in südlichen Regionen aufschlägt wird im Basisfahrzeugklassiker Fiat Ducato und bei seinen direkten Verwandten auf Allradantrieb verzichten können. Auch Wintercamper die dabei klassische Campingplatze anfahren werden, geeignete Schneeketten im Gepäck,  4×4 nicht unbedingt benötigen. Mittlerweile sind die Verkehrsnetze so gut ausgebaut dass es nicht mal für den Trip nach Peking nötig ist einen Allradantrieb an Bord zu haben, speziell dann nicht wenn solche Reisen in Gruppen absolviert werden.

Die Standardbodenfreiheit erlaubt auch das gemütliche Befahren von Schotterstraßen.

Allrad ist dann ein Thema wenn es gilt ohne fremde Hilfe auszukommen und da reicht dann oft schon eine nasse Wiese um sich mit einem Fronttriebler festzufahren. Den österreichischen Markt betrachtend, der sich nun mal in allererster Linie unterhalb der 3,5 Tonnen Klasse abspielt, die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt, stellt sich die optionale 4×4 Frage eigentlich nur bei den Kastenwagenmodellen. Alle anderen Basismodelle haben so sehr mit den Gewichten zu kämpfen, dass wohl kaum jemand auf die Idee kommt wertvolle Zuladungsreserven für eine zweite angetriebene Achse zu opfern. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel. Entscheidet man sich für einen Kastenwagen sollte man also definitiv auch über die 4×4 Option nachdenken.

Mit leerem Auto und trockenem Gras sind auch verwilderte Wiesen mit Frontantrieb zu schaffen, bei Nässe und entsprechender Beladung kann die 4×4 Version dramatisch mehr.

Dafür sprechen der bei einigen Marken zwischenzeitig überschaubare Aufpreis, das Plus an Fahrsicherheit bei jedem Wetter und jenes an Flexibilität bei der Routenwahl. Wer gerne Caravan oder Boot an den Haken nimmt profitiert auch von einer besseren Zugfahrzeugeignung. Erwähnenswert auch der Entfall des – Ziehens in der Lenkung – wie es viele Frontantriebsmodelle bei schlechter Traktion bieten.

Äußerlich sind weder die Höhendifferenz im Laderaum noch die 78 Kilo Unterschied beim Gewicht zu bemerken. Hier das innen niedrigere und zugleich schwere 4motion Modell.

Dagegen sprechen der Mehrverbrauch der bei den Transportern immer noch mindestens einen, fallweise aber auch zwei Liter ausmacht, die zum Teil empfindlichen Aufpreise und die bei vielen Modellen mit dem Allradantrieb einhergehende Reduktion der Innenraumhöhe. Am Rande seien auch noch das Mehrgewicht, wobei hier zwischen Werks- und Nachrüstlösungen unterschieden werden muss, erwähnt und die etwas gedämpfte Elastizität.

Seitlich in den Laderaum geschaut, wirbt die Frontantriebsversion mit dem für viele Ausbauer wesentlichen Vorteil des niedrigeren Bodens.

Langfristig betrachtet sollte das Plus an Teilen die kaputt gehen können durch die geringere Belastung und damit längere Lebensdauer der Komponenten kompensiert werden. Auch das Plus beim Kaufpreis lässt sich beim Wiederverkauf nach ein paar Jahren zumindest teilweise wieder hereinbekommen.

Die allermeisten hier angeführten Unterschiede gelten nicht nur für die zwei Crafter Versionen sondern auch für die direkten Mitbewerber.

Abschließend ergibt sich für all jene die jetzt in Richtung 4×4 beim Kastenwagen tendieren, eine weitere Frage, jene danach wieviel Allrad bzw. Offroad es denn sein muss um sicher und glücklich zu reisen. Eine Frage auf die wir hier schon demnächst versuchen werden eine Antwort zu geben.

 

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