Funkelnder Stern

Nach fünf Jahren am Markt optimiert Mercedes-Benz die bisherigen Stärken der V-Klasse, bestehende Schwächen werden aber da und dort weiter übersehen. Echte Kritikpunkte waren schon bisher Mangelware, ein paar zusätzliche Pferdestärken, in Wirklichkeit sprechen wir beim Topmodell von einem 20 prozentigen Leistungsplus, nimmt dennoch jeder gerne.

Der neue Marco Polo schreckt vor keinem Vergleich zurück. Er ist sich all seiner Stärken bewusst.

Ob es die neue Neungangautomatik wirklich braucht, man weiß es nicht. Im Prinzip arbeitet sie genauso perfekt wie wir das bisher von der siebenstufigen Version kannten. Ein bewährtes Modell für einen direkten Vergleich, stand bei den Testfahrten in Spanien, jedoch nicht zur Verfügung. Das lässt sich aber bestimmt irgendwann nachholen. 

Der einzige echte Nachteil des Marco Polo gegenüber der V-Klasse ist die fehlende linke Schiebetüre die im Alltag durchwegs praktisch ist.

Das Feintuning im Innenraum entdecken nur echte Insider, viel offensichtlicher sind da die neuen Farbkombinationen. Das dunkelblau ist eine Wucht, das wirklich gelungene rot eine Alternative für all jene die all den anderen Verkehrsteilnehmern unmissverständlich mitteilen wollen, dass sie hier keinen Mietwagen chauffieren sondern hart dafür gearbeitet haben um der Familie ein Maximum an Komfort zu bieten. 

Sieht nicht nur nach Luxus aus, ist es auch.

Wenn Geld bei der Anschaffung nicht die entscheidende Rolle spielt, dann muss unbedingt auch noch das AMG Paket mit rein. Ästheten werden den Kühlergrill im Swarovski Design – der nicht ab Werk abbestellbar ist – gegen die normale, deutlich elegantere Variante tauschen. Jeder Händler wird vermutlich gerne dabei helfen einen Tauschpartner zu finden. 

Das langsamste an der neuen V-Klasse / Marco Polo ist die Navigation – das gab es bisher noch nie in einem Freizeit- / Reisemobil.

Was bei der V-Klasse weiter vermisst wird sind zusätzliche Ablagen rund um den Beifahrerplatz (hier hat erneut die sportliche Optik über die mögliche Funktion gesiegt), die Option einer Sitzflächenverlängerung, die Möglichkeit die Fehlermeldung bei geleerten Wassertank zu löschen (nur Marco Polo) und ein Schiebedach von dem auch die erste Reihe profitiert.

In Reise zwei darf gegen entsprechenden Aufpreis von Business Class auf First Class gewechselt werden.

Das Panoramadach können nur all jene wirklich genießen, die hinten sitzen. Die einzige Ausnahme bietet die Marco Polo Variante, die auf Wunsch im Aufstelldach ein Schiebedach bereithält, nicht riesig groß aber groß genug um auch als Fahrer ein bisschen Sonne und Wind abzubekommen. Eine Lamellenabdeckung für das Innenleben des zusammengeklappten Aufstelldaches wie wir es vom direkten Mitbewerb kennen, bleibt Mercedes-Benz auch weiterhin schuldig. 

Sportlichkeit und Raumangebot schließen einander hier nicht aus.

All das vergisst wer die Möglichkeit hat mit der neuen V-Klasse ins Hinterland von Barcelona vorzudringen. Kurvenorgien wie sie selbst routinierte Biker mitunter überfordern, dazu sanfte Steigungen und Gefälle, in der Regel guter Asphalt und fast immer ein überragender Ausblick der sich aus der V-Klasse deutlich besser genießen lässt als aus so manch tief liegendem Sportwagen. 

Wer schneller unterwegs ist erreicht Plätze wie diesen deutlich früher.

Ob die Automatik auf Komfort oder Sport programmiert ist macht kaum einen Unterschied, den manuellen Modus zu nutzen macht in erster Linie Spaß, bringt aber kaum zusätzliche Performance. Mehr ist auch schwer möglich. Ganz egal ob klassischer Van mit Heck- oder Allradantrieb oder voll ausgestatteter Marco Polo, schneller ist man hier mit keinem Auto dieser Größe unterwegs. 

Die Plattform für den Mittagsschlaf ergibt sich auch weiterhin auf Knopfdruck.

Beim Marco Polo dauert es bei extremer Fahrweise gut 10 Kilometer bis die Bremsanlage an ihr Limit stößt, bei der deutlich leichteren V-Klasse noch ein paar Kilometer länger. Das klingt jetzt nach wenig, ich gebe jedoch zu bedenken, dass andere Fahrzeuge dieser Klasse bei deutlich sanfterer Gangart nach ein paar hundert Metern mehr Rauchzeichen als Bremsleistung servieren. 

So kompakt, dass sich immer irgendwo ein Plätzchen findet.

Was sich erst im normalen Alltagsbetrieb herausstellen wird, ist wie sich die Mehrleistung des neuen Topmodells auf den Verbrauch auswirkt und ob die neue Automatik dies zu kompensieren versteht. Ein wenig Angst herrscht davor was am Ende der Preiskalkulation für eine maßgeschneiderte V-Klasse stehen wird. Günstig wird es keinesfalls werden, aber auch das ist bei der V-Klasse nicht neu.

INFO: http://www.mercedes-benz.at

Das könnte Dich auch interessieren …