Frei von Kompromissen.

Alltag und Reisezeit unter ein Dach zu bekommen gelingt heute besser als je zuvor. Möglich machen dies Fahrzeuge die deutlich mehr können als einfach nur zu fahren. Einen ganz besonderen Reiz üben dabei jene Modelle aus, die ohne dass irgendetwas ein oder ausgebaut werden muss, vom Familienvan zum Vierbettzimmer mutieren. 

Die Auslage als Verstärker für den Fototermin am späten Nachmittag.

Aktuell beschränkt sich das offizielle Importeurs Angebot solcher Modelle auf gerade einmal zwei Marken. Den VW California durften wir bereits im Sommer intensiv erleben, jetzt stand uns mit der V-Klasse Marco Polo sein direkter Mitbewerber 14 Tage lang zur Verfügung. 

Das Bett im ersten Stock ist gleichermaßen bequem wie luftig.

Ausgestattet mit einer ganzen Reihe an Extras markiert der Marco Polo auch die aktuelle Spitze im Mercedes-Benz Vans Angebot. Unterhalb angeboten wäre noch der Marco Polo Horizon der auf die seitlichen Einbauten ebenso verzichtet wie auf eine Küche und der auf dem Vito basierende Marco Polo Activity der sich ebenfalls auf das Angebot von vier Schlafplätzen, einem Tisch und drehbaren Sesseln in der ersten Reihe beschränkt.

Die separat zu öffnende Heckscheibe ist im Alltag ein Muss.

Natürlich gibt es Viersitzer die mit weniger als 5,14 Metern Länge, 1,93 Metern Breite und 1,98 Metern Höhe das Auslangen finden doch da wären wir dann gleich wieder bei Kompromissen. So sitzt man im Marco Polo in der ersten Reihe ausgezeichnet und in der zweiten Reihe fast ebenso gut, auch weil der Fußraum hier deutlich mehr Bewegungsfreiheit zu bieten hat als ein Maybach. 

Die Beinfreiheit kann frei gewählt werden.

Die Sitze in Reihe eins sind drehbar, die Sitzbank ist weitläufig verstellbar, wodurch der ausklappbare Tisch auch zu viert genutzt werden kann. Der Zugriff auf Abwasch, Zweiflammenkocher und Kühlschrank funktioniert durchwegs problemlos und bei aufgestelltem Dach ist auch das Raumgefühl recht erhaben. 

Für eine kleine Schlafpause können die Sitze auch einzeln umgelegt werden.

Im Heck des Marco Polo finden sich zwei Sessel und ein Tisch für die Pause zwischendurch und ein großzügiger Kofferraum dessen Volumen sich durch das Verschieben der Sitzbank noch erheblich steigern lässt. Natürlich kann im Marco Polo auch nicht nur gefahren, gegessen, gelagert sondern auch geschlafen werden. Auf Knopfdruck mutiert die zuvor in die passende Position gefahrene Sitzbank zum komplett flachen Bett über das man mit einem Handgriff eine bequeme Matte breitet. 

Hinsichtlich der Bodenfreiheit sind die Modelle mit Heck- bzw. Allradantrieb dient.

Deutlich luftiger und eher sowas wie ein Sommerhaus ist das Bett im Dach. Bis 15 Grad Plus ein Traum, bis 5 Grad Plus ein hochwertiges Zelt und darunter eine Notunterkunft die sich nur mit maximaler Leistung der Standheizung warm aber deswegen noch lange nicht kuschelig bekommen lässt. Unten hingegen darf man über Nacht auch bei Temperaturen um die null Grad auf die hochwertige Isolierung vertrauen. Es reicht völlig aus, die Standheizung zehn Minuten bevor man plant den Schlafsack zu verlassen, zu aktivieren. Top auch die nächtliche Beleuchtung, die dem Nutzer die Wahl zwischen grellem Büroarbeitsplatz und gerade noch beleuchteten Fernsehzimmer lässt. 

Zwei Kindersitze lassen sich dank Isofix schnell montieren.

Während andere Reisemobile im ganz normalen Alltag am liebsten in der Garage bleiben macht der Marco Polo auch hier eine erfreuliche Ausnahme. Handlich wie ein Hochdachkombi bietet er maximalen Fahrkomfort und eine erhabene Sitzposition. Keine zwei Meter hoch passt er in fast alle Parkgaragen und mit knapp mehr als fünf Metern auch noch in viele Parklücken. Trotz des Aufstelldaches und der im Vergleich zu seinem Mitbewerber fehlenden Abdeckung oberhalb der ersten Reihe reist es sich in dieser V-Klasse nicht nur bequem, sondern auch schön leise. Drängt die Zeit so ist es zumindest in Deutschland problemlos möglich konstant im Bereich von 200 km/h unterwegs zu sein. Nicht dass das mit einem Reisemobil so wichtig wäre, aber Spaß macht es zugegebenermaßen schon. Der insgesamt sehr brave 2,2 Liter Diesel bringt es selbst bei Dauervollgas nie über 10 Liter, im Alltag sind es eher 8 als 9 Liter. 

Auf Eis und Schnee ist der Marco Polo auch mit Heckantrieb souverän unterwegs.

Was der Testwagen nicht zu bieten hatte, war der stets sehr geschätzte 4matic Antrieb. In der Praxis ein viel kleinerer Nachteil als man dies am Papier vielleicht vermuten würde. Schuld daran ist das doch recht ordentliche Gewicht das im Zusammenarbeit mit dem Heckantrieb und allerlei Assistenzsystemen auch auf Schnee und Eis eine gute Traktion sichert. Überprüfen durfte ich das sowohl auf der schneebedeckten Autobahn als auch rund um Rosenau am Hengstpass, das ist dort wo Serienstaatsmeister Raimund Baumschlager seine neuen Rennautos testet. 

Business Van – 700 Kilometer nach Friedrichshafen sind hier ein echtes Vergnügen.

Weil am Ende jedes Fahrberichtes auch der Preis angesprochen werden muss, gilt es an dieser Stelle zu erklären, warum für das Topmodell mindestens 73.565,- Euro aufgerufen werden und sich das gute Ding nicht davor ziert Extras um weitere 20.000,- Euro an Bord zu nehmen, 7.000,- alleine für den Allradantrieb (was auch an 24 Prozent NoVA im Vergleich zu den 19 Prozent bei der Heckantriebsvariante liegt) auf den dann doch keiner verzichten will.  

Beleuchtung und Haptik sind hier auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt.

Im Gegenzug liefert Mercedes-Benz einen voll alltagstauglichen Oberklassekombi der preislich mit deutlich unpraktischeren Autos auf Augenhöhe liegt, mehr als 700 Kilogramm Zuladung verkraftet, 2,5 Tonnen schwere Anhänger durchs Land schleppt und hinsichtlich der Wertstabilität zweifellos zu den besten Mercedes-Benz Modellen am Markt zählt. Als Ausweg bleibt zudem beispielsweise den Marco Polo Activity zu wählen, der bereits um weniger als 50.000,- Euro zu haben ist.

INFO: www.mercedes-benz.at

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