Erste Ausfahrt Rotterdam.

In dritter Generation rollt der Mercedes-Benz Sprinter am 22. Juni in den österreichischen Handel, wir durften ihn in Holland bereits ein wenig ausprobieren.

Die luxuriöse Tourer Version drängt sich als Basis für einen vielseitig einsetzbaren Reisevan auf.

Wohin man auf den Straßen Hollands auch schaut, irgendwo findet sich immer ein Wohnwagen oder ein Reisemobil. Da wundert es kaum, dass der neue Sprinter sofort erkannt und intensiv begutachtet wird, ganz egal ob auf der Autobahn zwischen Amsterdam und Rotterdam oder irgendwo im Industriegebiet beim Fotoshooting.

Das seitliche Fenster im Kastenaufbau verrät, wie der Campervan nach außen hin wirkt.

 

Auch bei der dynamischen Presseveranstaltung diese Woche kam das Thema Camper Van und Wohnmobilbasis in Zusammenhang mit dem Neuen nicht zu kurz, wenngleich es nicht so prominent behandelt wurde, wie zuletzt bei der statischen Vorstellung. Das mag auch daran liegen, dass Hymer und vielleicht auch noch andere Wohnmobilspezialisten in den nächsten Monaten noch genauer auf den neuen Stern eingehen werden.

Ein haptisch, optisch und ergonomisch fast schon unglaublich perfekter Arbeitsplatz.

Wie neu der Sprinter ist zeigt sich optisch nur bedingt. Sobald man jedoch den Zündschlüssel in Händen hält ändert sich dieses Bild sofort. Alternativ dazu lässt sich der neue Sprinter auch mittels Handy öffnen aber das ist eine für Camper wohl weniger interessante Geschichte. Viel interessanter ist wie satt die große Türe hinter einem ins Schloss fällt, wie einen der neue Sportsitz gefangen nimmt und wie schön sich das Armaturenbrett präsentiert.

Wer mit dieser Displayansicht sein Ziel nicht findet, ist wirklich ziemlich verloren.

Daimler Kritiker könnten an dieser Stelle über die gewöhnungsbedürftige Haptik der Wahlhebel hinter dem Lenkrad oder die nicht so tolle Optik des Startknopfes und vielleicht auch über den schmutzempfindlichen Klavierlack an der großen Infozentrale am Armaturenbrett berichten. Mehr Kritikpunkte zu finden ist aber auch für Vollprofis kein leichtes Unterfangen.

Erstmals darf die beliebte Redewendung – nur fliegen ist schöner – auch für einen Transporter genutzt werden.

Binnen kürzester Zeit ist hier, in der Luxusbus Version Tourer, eine perfekte Sitzposition eingestellt, das in alle Richtungen weitreichend verstellbare Sportlenkrad schmiegt sich sogleich an die Handflächen und das Armaturendesign würde auch einem Mittelklasse Kombi gut zu Gesicht stehen. An der selbsterklärenden Bedienung ändert dies ebenso wenig wie an der perfekten Übersicht, den gestochen scharfen Bildern der Rückfahrkamera und den gut erreichbaren Ablagen.

Nur ein Beispiel für die konsequente Raumausnutzung an Bord.

Spontan erwacht hier ein Sechszylinder Diesel zum Leben. Auf D geschaltet setzt sich der Sprinter in Bewegung und schon nach den ersten Metern ist klar, hier ist ein großer Wurf gelungen. Nie zuvor hat ein Transporter sanfter eingelenkt, kultivierter auf Gaspedalbewegungen reagiert und weniger Fahrgeräusche gemacht als dies hier der Fall ist. Erst bei höherem Tempo gelingt es der Hochdachvariante nicht mehr den außerhalb vorherrschenden Wind zu leugnen, zumal der Wind so kräftig bläst, dass auch der Seitenwindassistent alle Hände voll zu tun hat Spur und Tempo zu halten. In dieser Situation ist es die perfekt abgestimmte Servolenkung, die sich erneut in Szene setzen kann.

Laden heißt auch sichern. Ganz egal ob Metallkiste oder sperriges Sportequipment.

Mit deutlich weniger Extras an Bord, mit Front- statt Heckantrieb und mit einer Neungangautomatik anstelle der Siebengangautomatik präsentiert sich unser zweiter Testkandidat, der unter seinem roten Kastenwagenkleid einen 143 PS starken Vierzylinder bereithält. Hinsichtlich der Automatik noch ein wenig agiler liefert auch diese Version einen rundum gelungenen ersten Eindruck. Durch den Frontantrieb schießt dieser Sprinter noch aktiver aus Kreisverkehren heraus ohne dass dabei ein Ziehen in der Lenkung feststellbar wäre. Top auch der Fahrkomfort bei Tempo 130 auf der Autobahn und das Verhalten bei Notbremsungen wie sie im stressigen Alltagsverkehr der Großstädte häufig am Plan stehen.

Natürlich kann nach rund 250 Kilometern, aufgeteilt auf zwei extrem unterschiedliche Modelle (die beide noch unter der Bezeichnung Erprobungsfahrzeug im Fahrzeugschein laufen) noch keine echte Aussage darüber getroffen werden, wie sich der neue Sprinter bei Reisen rund um die Welt schlagen wird. Wohl aber dass der erste Eindruck auch hohe Erwartungen deutlich übertroffen, ja geradezu in den Schatten gestellt hat und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Aufwachen mit Blick aufs Wasser, war bei den Testfahrten leider nicht möglich, wird aber sobald wie möglich nachgeholt.

Mit viel Vorfreude gilt es somit den ersten Testfahrten auf heimischem Boden ebenso entgegen zu blicken, wie den ersten Wohnmobilen. Hier wird es sich Hymer wohl nicht nehmen lassen, im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz Mitte Mai das eine oder andere Reisemobil auf Basis des neuen Sprinter zu zeigen. Vielleicht auch schon mit der 177 PS Frontantriebsversion die exklusiv für Reisemobile bereitsteht. Schon jetzt stehen für Selbstausbauer rund 1.700 verschiedene Varianten zur Wahl wobei hier die Allradversionen, die vermutlich erst ab Anfang 2019 ausgeliefert werden, bereits eingerechnet sind.

Fast dreieinhalb Millionen Kunden haben sich seit dem Produktionsstart im Jahr 1995 für einen Sprinter entschieden.

Preislich startet der neue Mercedes-Benz Sprinter als Worker 211 CDI bei 21.850,- Euro. Da sind 1.000,- Euro Digitalisierungsbonus bereits abgezogen. Die für Privatkunden fällige Mehrwertsteuer, in Höhe von 20 Prozent ist jedoch noch nicht dazu addiert. Nach oben hin ist der Preisgestaltung keine Grenze gesetzt, das ist nicht neu, sondern war schon beim ersten Sprinter im Jahr 1995 so.

INFO: www.mercedes-benz.at/nutzfahrzeuge,

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