Der Branche geht es gut.

Freitag Nachmittag in Hagenbrunn. Gebetsroither hat zum Saisonstart geladen, Kaffee und Kuchen stehen bereit und zu allem Überfluss scheint auch noch die Sonne. Mittendrin im Geschehen eine routinierte Gruppe aus Verkauf- und Servicemitarbeitern die freundlich informieren und doch ein wenig gestresst wirken. Nicht weil ihnen der Verkaufsdruck an einem solchen Tag das Leben schwer macht, sondern weil sie kaum damit nachkommen bereits verkaufte Fahrzeuge zu verschließen und als „Verkauft“ zu kennzeichnen.

Die volle Auswahl hat nur wer sich rechtzeitig entschließt.

In der halben Stunde die ich vor Ort verbringe sind es drei Wohnwagen die den Besitzer wechseln, bei den Reisemobilen ein paar Meter weiter geht es nicht ganz so schnell doch auch dort wirkt die Nachfrage noch größer als das durchaus üppige Angebot. Nicht nur bei Gebetsroither in Hagenbrunn übertrifft die Nachfrage höchste Erwartungen, auch bei nahezu allen anderen Anbietern ist die Situation ähnlich. Gründe dafür gibt es deren viele.

Der Boom macht auch beim Thema Wohnwagen nicht Halt.

Die Zinserhöhung lässt weiter auf sich warten wodurch Kunden ziemlich spontan in Wohnmobile, Caravans und Freizeitfahrzeuge investieren, egal ob sie das Geld auf der hohen Kante liegen haben oder aber die günstige Finanzierung schätzen.  Damit verdienen sie zwar kein Geld, halten den Kaufkraftverlust aber in sehr engen Grenzen, da die Wertstabilität bei den Freizeitfahrzeugen zur Zeit enorm hoch ist und parallel dazu verfügen sie über eine moderne Freizeitmobilie. Neben dem Geld, ist auch die Sicherheit ein wesentlicher Initiator des Camping Booms. War man jahrelang durch die Welt getingelt um exotische Plätze zum Pauschaltarif kennen zu lernen, gibt es jetzt immer mehr Länder in denen man seinen Urlaub nicht mehr verbringen möchte. Man konzentriert sich also wieder auf die klassischen Destinationen aus den 70 & 80ern, reist nach Italien, Frankreich, Spanien, Kroatien und natürlich in die skandinavischen Länder. Nur unsere deutschen Nachbarn campen am liebsten im eigenen Land, aber das ist eine andere Geschichte.

Ausgebaute Kastenwagen-Modelle sprechen vor allem junge Allrounder und Familien an.

Es sind aber nicht nur Geld und Angst die der Campingbranche zu neuen Höhenflügen verhelfen, auch der zunehmende Wunsch nach Abgrenzung, nach Individualisierung und somit nach „Freiheit“ bewegt die Massen. Sich nach niemandem richten zu müssen, stehen bleiben zu können wann uns so lange man will sind Dinge die immer mehr Menschen im Alltag vermissen und somit bei der Urlaubsplanung  in den Mittelpunkt stellen. Dass die Realität im Freizeitmobil auch nicht frei von Einschränkungen ist, wird dabei durchaus toleriert, schließlich kann auch im Urlaub nicht jeden Tag die Sonne scheinen.

Die Unterschiede der einzelnen Modelle zeigen sich oft nur im Innenraum.

Neben all diesen die Branche beflügelnden Punkten, kommt für mich ein speziell die jüngeren Zielgruppen betreffender Punkt noch hinzu, die schrittweise Erneuerung der Mobilität. Immer mehr Menschen in immer volleren Ballungszentren lassen ihr Auto die ganze Woche über stehen oder nutzen es nur um den Weg zwischen zu Hause und Bahnhof zurück zu legen. Das Auto steht somit nur noch am Wochenende im Mittelpunkt und da sind Fahrzeuge mit großem Laderaum trendiger als je zuvor. Mit den ausgebauten Kastenwagenmodellen liefert die Industrie hier maßgeschneiderte Modelle, die preislich kaum höher ausfallen als ein Mittelklassekombi, den Wert deutlich länger halten und zudem als praktischer Rückzugsort bei Freizeitaktivitäten dienen. In der Regel komplett eingerichtet muss vor Fahrtantritt nur noch der Kühlschrank gefüllt werden was wiederum ein Plus bei der Netto-Freizeit ergibt. Top bei den Kastenwagenmodellen auch das mögliche Reisetempo und die vertretbaren Treibstoffkosten die diese Fahrzeugklasse kennzeichnen.

Der Andrang zu den Saisonstarts der Händler ist heuer extrem groß.

Angesicht der vielen Faktoren die für den Campingboom verantwortlich zeichnen, der hier angestrebte Überblick deckt dabei nur einen Teil ab, macht es auch nichts, wenn es in einzelnen Bereichen zu  auch hier unausweichlichen Veränderungen kommt. Der Campingboom ist somit ein stabiler Trend von dem Konsumenten, Industrie und Handel auch die nächsten Jahre profitieren werden, speziell dann wenn das zur Zeit gepflegte Miteinander aller Nutznießer auch in Zukunft intensiv gepflegt wird.

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