Campen kann auch einspurig sein.

Zugegeben – wenn es draußen schneit mag das nicht unbedingt der Zeitpunkt sein an dem man an Camping auf zwei Rädern denkt und doch kommt nach jedem Winter wieder ein Sommer auf den es sich zu freuen gilt.

Ein kleiner Gaskocher findet sogar im schmalen Seitenkoffer Platz. Zur Nutzung empfiehlt es sich dennoch ihn hier raus zu nehmen.

Camping auf zwei Rädern bedeutet für mich dabei knapp drei Jahrzehnte zurückzublicken in eine Zeit in der Treibstoff und Reifenverschleiß die größten Kostenstellen auf meinen Reisen waren. Ausgestattet mit Zelt, Schlafsack, Isomatte, den nötigsten Kochutensilien, ein paar Ersatzteilen sowie der obligatorischen Reservewäsche und den Badesachen ging es kreuz und quer durch Europa, immer auf der Suche nach Kurven, Meer und Fahrspaß.

Dabei ist der Kaffee aus der Thermoskanne nie so gut wie auf Reisen.

Gemangelt hat es dabei an nichts, sogar die 60 PS der alten BMW R 90 S kamen mir üppig vor, wenn es in der Nacht rauf aufs Stilfser Joch oder frühmorgens runter nach Sizilien ging. Alles was ich für vierzehn Tage mithatte passte in die zwei Seitenkoffer und eine am Soziusplatz festgezurrte Sporttasche. Als Luxus gab es noch einen Tankrucksack mit obligatorischem Kartenfach. Es folgten gut zwei Handvoll weiterer Motorräder darunter fünf BMW GS-Modelle, zwei Honda (Africa Twin und CBR 900) und eine Yamaha (R1) bevor die Vernunft des Jungvaters zuschlug und die Zweiradambitionen auf Wald und Wiese beschränkte.

Die Seitenkoffer lassen sich bei mehr Platzbedarf einfach auseinander ziehen.

Heuer im Herbst bot sich die Möglichkeit die BMW GS 1200, die für 2019 von einer noch besseren GS 1250 abgelöst wird, eine Woche lang zu fahren und damit wieder an alte Reisetraditionen anzuschließen. Über das Alpenvorland bin ich dabei zwar nicht hinausgekommen und doch hat sich das Thema Reise mindestens genauso gut angefühlt wie beim letzten Mal.

Ergonomisches Meisterwerk – auch der Sitz lässt sich serienmäßig in der Höhe verstellen.

Die verstellbaren Seitenkoffer mit den wichtigsten Dingen gerade mal zur Hälfte gefüllt, ging es von einer kleinen Armee an elektronischen Helferleins beschützt, raus in die Kalte Kuchl, hinten über die Schotterstraße rauf auf den Ochsattel und dann über St. Pölten weiter ins Waldviertel. Mit 125 PS mutiert die GS dabei zu einem Reisemobil mit extrem gutem Leistungsgewicht und ehe man sich versieht pendelt der Tacho (der eigentlich ein TFT Display ist und daher nicht mehr im herkömmlichen Sinn pendeln kann) stets zwischen 160 und 180 hin und her – auf der Landstraße wohlgemerkt.

Gegen Aufpreis weicht das klassische Armaturenlayout einem Computerdisplay.

Die frische Luft an der Nase, die Hände dank der Heizgriffe wohlgewärmt ist das „mit der Natur“ Feeling auf keinem Kraftfahrzeug so intensiv wie auf dem Motorrad, daran hat sich nichts geändert – die GS bietet hierzu dank des verstellbaren Windschildes zusätzliche Intensivierungsoptionen. Wohl aber die eigenen Prioritäten und so drehe ich den Gashahn im Laufe des Tages immer weniger weit bis ich dann mit Tempo 110 gen Wien rolle.

Wer seine BMW GS nicht selbst aufrüsten will, bekommt bei Touratech neuerdings sein Weltreisemobil fix und fertig angeboten.

Mit noch mehr Genuss als bei der unbeabsichtigten Raserei zuvor und der Möglichkeit nicht ständig nur an die nächste Kurve zu denken. Das Licht der GS lässt viele PKW Beleuchtungen erblassen als ich gegen Mitternacht die Wiener Stadtgrenze passiere um das vermutlich beste Tourenmotorrad der Welt wenig später bei BMW-Wien retour zu stellen.

Das schwarz / gelb ist gewöhnungsbedürftig, die Fahreigenschaften sind es auch im voll beladenen Zustand nicht.

Zwei Dinge bleiben mir auch die nächsten Wochen von diesem Ausflug im Gedächtnis. Erstens, dass das Zweiradfeeling unverändert großartig ist und man auf so einer GS sofort in einem Stück bis nach Spanien fahren will und zum anderen, dass das Thema Zweirad viel sicherer geworden ist, zumindest dann, wenn man mit der heutigen Technik die Geschwindigkeiten von damals fährt wofür es ziemlich viel Selbstbeherrschung braucht. Eine Ausfahrt auf zwei Rädern zeigt aber auch wie wenig man in Wirklichkeit für das perfekte Reiserlebnis benötigt. Vielen Reisenden gelingt es sogar das komplette Reisegepäck für zwei Personen auf ein Motorrad zu packen ohne Lebensmittel, Campingausrüstung und andere Dinge daheim zu lassen.

Zwei Koffer und eine Tasche – mehr braucht es nicht fürs Reiseglück. Hier ein Rückblick auf die letzte eigene GS bei einer Ausfahrt in südlichen Gefilden.

Gut wer sein Fahrrad im Urlaub dabei haben will wird sich schwer tun, allen anderen aber bietet sich die Chance vor der nächsten Reise darüber nachzudenken, was man wirklich alles im Camping Urlaub braucht. Ein spannendes Thema tut sich auf, zu dem es im bevorstehenden Winter noch viel zu berichten geben wird.

INFO: www.bmw-motorrad.at, www.touratech.at,

 

 

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