4,999 Meter Frankreich

Mit dem Trafic hat Renault kein neues Modell, mit der SpaceClass aber eine neue Top-Version im Angebot.

Blättert man ein paar Jahre zurück, so hat der Trafic Kleinbus aus dem Hause Renault in der Welt der Camper nie eine wirklich große Rolle gespielt. Auch dann nicht, wenn er Nissan oder Opel getauft wurde, das Angebot war stets überschaubar.

Tiefgaragennutzer werden die Dachantenne gegen eine deutlich kürzere Variante tauschen.

 

Mit dem bewundernswerten Engagement des jungen deutschen Reisemobilbauers Kompanja und der Unterstützung von Renault gelang es, den Trafic auf dem Caravan Salon in Düsseldorf 2017 richtig gut aussehen zu lassen, beim Auftritt auf der CMT 2018 hatte sich bereits ein Fankreis des alltagstauglichen Reisemobils zusammengetan. Mit dem Erfolg, dass jetzt auch Kompanja interessierte Kunden auf entsprechende Lieferzeiten hinweisen muss.

Charakteristische Seitenlinie – auch mit einer deutlich weniger ausgeprägten Welle im Dach, als dies beim Vorgängermodell der Fall war.

Unabhängig davon hat sich Konzernschwester Nissan mit Westfalia zusammengetan und ein Reisemobil auf Basis des Nissan NV300 entwickelt, das auf der heurigen CMT eine medial vielbeachtete Premiere feiern durfte. Es scheint also nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis auch Renault einen Partner nennt, mit dem man sich künftig verstärkt dem Reisefahrzeugthema widmen wird. Vielleicht sogar nicht nur in Deutschland sondern auch in Österreich.

Sehr viel Platz für sieben Personen, dazu ein gehobenes Komfortambiente.

Ein guter Zeitpunkt also, die aktuell Basis in der neuen Topversion SpaceClass genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Falle des Testwagens die 4,99 Meter lange Variante (die auch Kompanja als Basis heranzieht) mit vier Einzelsitzen und einer Dreierbank in der dritten Reihe. Zur umfassenden SpaceClass Serienausstattung (u.a. Navigation, Klimaautomatik vorne, manuelle Klimaanlage hinten, Leichtmetallfelgen und Schienensystem) hat Renault noch einen verschiebbaren Klapptisch, eine linke Schiebetüre, Rückfahrkamera, Sitzheizung und ein paar andere Annehmlichkeiten dazu gepackt. Am oberen Ende des Angebots,  ist auch die 145 PS Motorisierung (los geht es bei 95 PS) angesiedelt, die bei Renault stets mit einem manuellen Sechsganggetriebe und Frontantrieb kombiniert wird.

Die großen Scheinwerfer sind ebenso oft zu reinigen wie die dezenten Leichtmetallfelgen.

Der mit Ausnahme der nicht ideal montierten Antenne tiefgaragentaugliche Trafic liefert auch dank silberner Lackierung, abgedunkelter Seitenscheiben und Leichtmetallfelgen auch optisch einen absolut Minivan konformen Auftritt. Ein Eindruck der sich unterstützt durch Leder an Sitz und Lenkrad sowie durch die formschöne Gestaltung des Armaturenbrettes auch im Innenraum fortsetzt.

Ein Arbeitsplatz, der auch auf langen Strecken viel Freude bereitet.

Da und dort ein wenig Chrom dazu gepackt, den Zündschlüssel durch eine praktische Karte ersetzt und viele Möglichkeiten die ergonomisch richtige Fahrerposition zu finden, mehr braucht es nicht um sich hier wohl zu fühlen. An die vielen kleinen Schalter rund um das Lenkrad muss man sich ein wenig gewöhnen, ansonsten gibt die Bedienung wenig Rätsel auf. Einzig die Navigationseinheit tut sich schwer haptische und optische Ansprüche zu erfüllen und auch ihr gebündeltes Wissen verrät sie ebenso ungern wie ungenau. Wie gut, dass Renault auch im Fahrerbereich jede Menge Anschlüsse für die Versorgung externer Geräte bereithält, auch weil es trotz zahlreicher Versuche nicht möglich war ein iphone mit der Freisprechanlage zu koppeln.

Als einziger echter Schwachpunkt im Trafic Cockpit, muss die hier verbaute Navigationseinheit bezeichnet werden.

Zwei griffgünstige Dosenhalter für den Fahrer, zwei einigermaßen leicht zu erreichende Handschuhfächer und große Ablagen in den Türen, garantieren Ordnung an Bord des Trafic. Zusätzlich ist auch zwischen den Vordersitzen genug Raum vorhanden, um hier eine Ablagebox zu platzieren. Mindestens genauso gut wie in Reihe 1, ist das Raumangebot in Reihe 2 und auch die Dreiersitzbank ganz hinten, wirkt absolut langstreckentauglich. Abhängig von den Ansprüchen an den Fußraum, findet sich im Heck ein reisetaugliches Ladeabteil, das bei der 4,99 Meter Variante nicht sehr tief dafür aber breit und hoch ausfällt.

Viele Verstellmöglichkeiten für die Einzelsitze in der zweiten Reihe. Die Bedienung ist dabei etwas komplizierter, als man das von deutschen Mitbewerbsmodellen vielleicht gewohnt ist.

Die Vorstellung die dritte Sitzreihe zu Hause zu lassen und zu viert samt XXL Kofferraum zu reisen, hat sich zu diesem Zeitpunkt längst im Hinterkopf manifestiert. Ein Familienausflug ist es schlussendlich dann doch nicht geworden, wohl aber ein Trip von Wien nach Genf und wieder retour. Ein Tag hin, ein Tag dort (siehe auch die Genf News für Camper) und dann gleich wieder retour. Macht zweimal 1.030 Kilometer am Stück, größtenteils auf der Autobahn. Stets im Rahmen der Gesetzgebung unterwegs erlaubt der Trafic Tempomat kontrollierte 142 km/h sehr entspannt zu bestreiten, auf den wenigen verkehrsarmen und tempolimitfreien Zonen der Autobahn darf es auch mal mehr als Tempo 180 sein, dann aber mit entsprechender Konzentration am Lenkrad um bei Spurrillen und bei Seitenwind im Bedarfsfall schnell korrigieren zu können. Erst im auf Schweizer Autobahnen offensichtlich unvermeidbarem Stau kommt der Wunsch nach einem Automatikgetriebe auf.

USB und normale Steckdose auf Höhe der dritten Reihe.

Ansonsten erfreut der Trafic mit ordentlichen Bremsen, guter Übersicht und überschaubaren Windgeräuschen. Gut auch die Lichtausbeute, zumindest dann, wenn man die schnell verdreckenden Scheinwerfer von Zeit zu Zeit reinigt. Über die ganze, von vielen Staus und einigen schnellen Etappen begleitet Reise betrachtet, geht auch der Verbrauch von durchschnittlich 7,8 Liter Diesel völlig in Ordnung.

Für die Arbeit unterwegs und Besprechungen an Bord ist der Tisch ebenso geeignet wie für die Jause.

Mit einer Zuladung von rund einer Tonne, einer Anhängelast von zwei Tonnen und einer Dachlast von 280 Kilogramm ausgestattet präsentiert sich der Trafic auch als „Businessvan“ als Alternative zu den Modellen deutscher Hersteller.

In Sachen Raumangebot gibt es hier auch für das Gepäck keinen Grund zur Klage.

Der im direkten Vergleich nicht ganz so hohe Komfort, die etwas mehr spürbaren Antriebseinflüsse in der Lenkung und das Fehlen einer Automatik kompensiert der Trafic durch seinen Preis problemlos. So kommt der überkomplette Testwagen auf 50.802,- Euro inklusive NoVA und der für Unternehmer abziehbaren USt. Das Einstiegsmodell des Trafic Passenger kommt gar nur auf 35.100,- Euro. Da bleibt dann im Idealfall auch noch genug Geld übrig, das sich in die individuelle Freizeitausstattung des Trafic investieren lässt.

INFO: www.renault.at, für alle Neugierigen auch www.kompanja.de,

 

 

Das könnte Dich auch interessieren …